Industrie 4.0: für Menschen mit Handicap Hoffnung und Frust zugleich

Die durchgängige Digitalisierung von Industrieprozessen und die Einzelstück-Fertigung in  serieller Verarbeitung – zwei wichtige Komponenten von Industrie 4.0 – hat heute schon Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Und wie immer merken es die Schwächsten zuerst.

Die gute Nachricht zuerst: dank Exoskeletten, die sich zum Teil sogar mittels Hirnströmen steuern lassen, können Querschnittsgelähmte wieder gehen. 3D-Drucker ermöglichen Prothesen, die trotz Füllung mit äusserst smarten Sensoren und Steuerungen individuell angefertigt werden und trotzdem in bezahlbare Reichweite gelangen. Die Rekorde der Paralympics nähern sich plötzlich denen der Olympiade, oder übertreffen sie sogar wie im Fall der sehbehinderten Läufer. Gute Nachrichten also von der Technologieseite, auch wenn die Frage nach der Bezahlbarkeit für jeden Einzelnen und die Unterstützung durch die Sozialwerke diesem Fortschritt noch eine Weile deutlich hinterher hinken dürfte.

Ganz konkret – und das die derzeit schlechte Nachricht – ist die Auswirkung heute schon auf dem zweiten Arbeitsmarkt zu spüren. Dort nämlich ist Industrie 4.0 für die Arbeitsplatzgestaltung von Menschen mit Handicap noch nicht angekommen. Statt dessen sind viele Arbeitsplätze nach wie vor als “verlängerte Werkbank” der Industrie ausgerichtet, also mehrheitlich auf manuelle Tätigkeiten mit ergotherapeutischen Hilfsmitteln. Da arbeiten Menschen in der Datenerfassung, an Versand- oder einfachen Montageprozessen für kleine Stückzahlen. Sie alle merken: ihre Aufträge gehen immer mehr zurück. Daten werden heute von Nutzern direkt erfasst, Briefe und Druckerzeugnisse entweder elektronisch verschickt oder vom Drucker direkt eingepackt, foliert und adressiert. Und kleine Stückzahlen sind durch Industrie 4.0 plötzlich deutlich günstiger und schneller zu produzieren, werden also von der verlängerten Werkbank abgezogen.

Dabei wäre die Digitalisierung von Prozessen eine grosse Chance für den zweiten Arbeitsmarkt: denn wer einen Hightech-Rollstuhl bedienen kann, kann vermutlich auch einen intelligent aufgesetzten Industrieprozess steuern. Damit gekoppelt: Chancen im ersten Arbeitsmarkt!

www.greybirds.ch

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