Industrie 4.0: Frisst die Revolution ihre Kinder?

hand-1571852_640Industrie 4.0 ist also auch in den Medien angekommen.

Mehr als 100.000 KV-Stellen gehen verloren –  Berufsbilder werden verschwinden… so oder ähnlich lauten derzeit viele Schlagzahlen. Der Tenor: ja, es werden Berufe verschwinden, aber: Roboter werden “nur” Routinetätigkeiten übernehmen. (Das stimmt übrigens nicht ganz, wie die Sendung X:enius vom 23.11.2016 aufzeigte.)

Menschen bleiben die verantwortungsvollen, kreativen und innovativen Jobs, in denen hohe Sozialkompetenz, vernetztes Denken und schnelles Handeln auf Unvorhergesehenes gefragt ist. Wir alle werden also künftig ungefähr 16 Stunden pro Tag vernetzt, kreativ, innovativ, flexibel und höchst sozialkompetent sein dürfen bzw. müssen.

Müssen – Können – Wollen wir das?  Jede und jeder von uns kennt doch Situationen, in denen es gut tut, von diesen Ansprüchen einmal entlastet zu sein. Fenster putzen oder bügeln, Ablage machen oder archivieren – Routinetätigkeiten sind nicht sehr kompliziert, verdienen aber Achtsamkeit, wenn das Ergebnis gut sein soll. Sie befreien von Frust, entspannen und zeigen sofort ein Ergebnis. Und: man muss dabei nicht besonders sozialkompetent sein. Im Gegenteil, dem Fenster ist das völlig egal! Mir tut das gelegentlich gut. Und Ihnen?

Was ist mit all jenen Menschen, die obige Anforderungen nicht erfüllen, statt dessen andere Fähigkeiten besitzen? Sind sie dann verdammt zur Langeweile? Oder gehen wir in Zukunft alle in Hobbyräume, um dort Dinge herzustellen, die dann aber gleich wieder recycelt werden, da sie niemals an den Roboter-Goldstandard heranreichen?

Schon jetzt ist es schwierig, für Menschen mit Handicap sinnvolle Tätigkeiten zu finden, die sie mit ergonomischen Hilfsmitteln (ja, auch mit Robotics), aber auch viel Empathie durch ihre Betreuenden ausüben können. Gehören wir demnächst alle, partiell oder full time, in geschützte Werkstätten? Oder verlieben wir uns in unsere Siri oder Samantha (Her von Spike Jonze)?

Es liegt mir fern, diesen Wandel zu verteufeln. Aber: so wie es seit Jahren Arbeitsgruppen gibt, die sich mit Industrie 4.0 beschäftigen, wäre es an der Zeit, Arbeitsgruppen zu bilden, die sich damit beschäftigen, die Auswirkungen auf die Menschen zu untersuchen und auch dort neue Modelle zu finden. Sonst frisst die Revolution eines Tages ihre Kinder.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s